ENDLfrei

ENDLICH FREI!

Share on Facebook0

„Wer bist du?“ Ich wiederholte meine Frage.

„Nenne mich einfach Mademoiselle Berta“, antwortete die zarte Stimme geduldig.
Das muss es also sein, so fühlt man sich nur, wenn es aus ist.
„Wo bin ich hier?“ Ich verlor langsam die Nerven.
„Bei mir, das siehst du doch.“
„Und wer bist du?“ Mein Hämmern mit den Fäusten gegen die Glaswand wurde schwächer.
Die Personen dahinter reagierten überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie schienen mich überhaupt nicht zu bemerken.
„Ich bin du selbst“, vernahm ich die Stimme.
Das war zuviel! Nicht genug, dass ich mich in diesem blödsinnigen Glasgefängnis verlaufen hatte. Nicht genug, dass außerhalb immer Personen herumstanden, die mir alle so verblüffend ähnlich sahen. Nein, all das war einfach unmöglich!
Dabei hatte es so normal begonnen. Ich war pünktlich von zuhause weg gegangen. Daran konnte es also nicht liegen, ich hatte mich auch entsprechend vorbereitet, also geübt, gelernt und trainiert. Keine Ahnung, warum das alles so ist! Zuhause ist es wirklich ganz wunderbar gegangen! Ich schwör´s!
„Du bist doch nur ein Clown, der sich selbst zum Narren hält!“ Da war schon wieder
diese schrecklich freundliche Stimme.
„Wer bist du?“
„Nenne mich einfach Mademoiselle Berta.“
„Also gut, wenn du ich bist und wir bei dir, wer sind dann die vielen Leute da draußen?“
„Auch das bist du.“
„Das ist ja lächerlich!“
„Gut möglich.“
„Schön, sag´ mir da draußen, ich soll mich da rausholen, und wir beenden den Spuk!“„Das wird nicht helfen, du hast dir noch nie selbst zugehört. Du weisst nicht, was du brauchst, damit du dich jetzt wohl fühlst.“
Leider hatte die Stimme in diesem Punkt recht.
„Bin ich jetzt tot?“ fragte Nick.
„Nicht mehr als vorher – du stellst dich tot, versuchst dich unsichtbar zu machen.“
„Und was ist dann das alles hier?“
„Vielleicht würden es manche einen Traum nennen, aber eigentlich bist du bei mir.“
„Und wie, bitte, komme ich hier wieder heraus?“
„Du musst dir den Weg bereiten – deinen eigenen Weg. Wenn du keine Möglichkeiten mehr siehst, lerne auf dich zu hören. Dann liegt es an dir, dem Klang zu folgen. Werde zu deinem eigenen Wegbereiter. Lass dich vom Klang der Welt leiten. Dieses Labyrinth gibt es nur in deinem Kopf! Bereite den Weg zu dir da draußen, und du wirst dich selbst als Ganzes erkennen. Nütze dazu alle Möglichkeiten.“
„Aber Berta, sage mir bitte, wie ich das tun soll.“
„Ich kann dir nicht sagen, wie du dich gut fühlst. Das ist es ja, was du herausfinden und üben musst!“
Ich war verzweifelt. „Das ist ja verrückt, was du da mit mir machst!“
„Gehe doch nicht immer davon aus, dass du alles weißt. Du weißt ja gar nichts! Wenn du dir zuhören würdest, könntest du erkennen, dass alles neu wird. Nichts war schon einmal da. Als Wegbereiter musst du dich daran gewöhnen, begeistert zu leben. Du musst deine Möglichkeiten sorgfältiger ausnützen.“
„Sag´ mir bitte, wer du bist!“
„Nenne mich einfach Mademoiselle Berta.“
„Wirst du mir helfen?“
„Das ist meine Aufgabe, deshalb bin ich hier.“

 

Share on Facebook0