INNERE STABILITÄT

Wir gehen davon aus, dass Geist und Körper immer bestrebt sind, ein funktionierendes Ganzes zu bilden.

Was passiert aber, wenn dieses labile Gleichgewicht gestört wird?

Werfen wir einmal ein Auge auf die Situation innerhalb unseres Körpers: Da genügt es vollkommen, dass wir z.B. durch zu hohe Absätze an unseren Schuhen den Schwerpunkt etwas nach vorne verlagern – und hunderte Muskeln in unserem Körper sind damit beschäftigt, diese Schwerpunktverlagerung auszugleichen. Tragen wir die hohen Absätze regelmäßig und ständig, passen sich alle Muskeln dieser neuen Situation an. Mit der Zeit haben wir dann mit Verkürzungen, Verspannungen und unter Umständen Wirbelsäulenproblemen zu rechnen. Und das alles nur wegen ein paar Zentimeter Absatz!

Tatsache ist, dass wir erst durch Schmerzen darauf aufmerksam werden, dass irgendetwas mit unserem Körper nicht in Ordnung ist, und wir werden solange dem Problem nachgehen, bis wir die Ursache des Schmerzes gefunden haben.

Das gleiche sollte eigentlich für psychisches Ungleichgewicht gelten: Wenn wir Lampenfieber als das begreifen, was es ist – nämlich ein Signal, dass unser psychisches Gleichgewicht gefährdet ist – dann müssen wir herausfinden, was die Ursache war, die dieses Signal ausgelöst hat.

Sicher nützt es nichts, wenn man aus Angst, als „psychisch labil“ zu gelten, sein Problem solange geheim hält, bis Tabletten den einzigen Ausweg aus der Denkspirale zu bieten scheinen. Wenn man bedenkt, dass die Angst, auf „vor Publikum“, d.h. also vor der Öffentlichkeit, zu bestehen, eigentlich ein natürliches Reaktionsverhalten darstellt, dann wird man bald zur Überzeugung gelangen, dass es hier nicht um irgendwelche „psychischen Besserungsmaßnahmen“ geht, sondern darum, eine an und für sich „richtige“ Verhaltensweise gewinnbringend zu konditionieren.