Lesson 10 - Fokus
der Aufmerksamkeit

Dieses Kapitel beginnen wir mit einer kurzen Geschichte:
Vor einiger Zeit kaufte sich ein junger Mann einen Fotoapparat. Er reiste in eine schöne Stadt in einem fernen Land. Die Stadt war derartig gepflegt und sauber, dass diejenigen Stellen die kuriosesten waren, an denen auf den blitzblank geputzten Gehsteigen achtlos weggeworfener Mist zu finden war. Das war so kurios, dass der Mann bei jedem weggeworfenen Blatt Papier seinen Fotoapparat zückte und das Objekt festhielt. Von seiner Reise wieder nach Hause gekommen, sah er sich seine Fotos an und stellte fest, dass alle Erinnerungsfotos Abfall zum Motiv hatten. Klar, dass er seinen Verwandten mit diesen Fotos nicht wirklich überzeugend klarmachen konnte, dass diese Stadt eine der saubersten war, die er je gesehen hatte. Und nach einiger Zeit änderte er sogar selbst seine Meinung über diese Stadt und dachte nur mehr: „Wahrscheinlich habe ich mich geirrt, und in Wirklichkeit ist diese Stadt so schmutzig wie jede andere."

Was versuchen wir dir damit zu sagen?: Wir haben jeden Tag, zu jeder Tages- und Nachtzeit die Möglichkeit, in unserer Umgebung verschiedenste Wahrnehmungen zu machen. Ja wir können sogar in ein und derselben Sache oder in ein und derselben Person positive und negative Seiten entdecken.

Wenn wir nun die Kamera unseres Geistes nur auf die Dinge lenken, die negativ sind, dürfen wir uns nicht wundern, wenn unsere geistigen Urlaubsfotos ausschließlich schlechte Erinnerungen wiedergeben! Jetzt wäre folgende Frage sehr passend: „Ja aber, wie macht man das, seine Aufmerksamkeit auf die Freude zu lenken, um schöne Gedächtnisfotos zu bekommen?"

Der Weg ist einfach: Dein und mein Kopf arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Wir scheiden Themen aus, die für uns keine Bedeutung haben, indem wir uns ständig selbst Fragen stellen. Das sind oft viele, viele Fragen rasch hintereinander. Und die Art und Weise, wie wir fragen, schließt automatisch alles, wonach nicht gefragt wurde, aus. Wenn du zum Beispiel frägst: „Warum bin ich in Mathematik nicht gut?", so setzt das für Berta bereits als gegeben voraus, dass du nicht gut in Mathematik bist, und du hast dann keine Möglichkeit mehr, zu entrinnen. Fragst du: „Warum kann das nicht einmal problemlos funktionieren?", schließt du damit eine Änderung aus, weil du als gegeben voraussetzt, dass dieses irgendetwas niemals problemlos funktionieren wird!

Frage, so wird dir geantwortet! Frage falsch, so wird dir falsch geantwortet. Deiner Berta ist es völlig egal, wonach du fragst. Darum frage richtig. Wenn du ungerecht behandelt wirst, frage nicht „Warum gerade ich?", nicht „Warum passiert das mir?", sondern vielleicht z.B. "Was ist wirklich gut dabei?", "Warum ist das jetzt wirklich lustig?", „Was kann ich daraus lernen?", „Was kann ich für das nächste Mal verbessern?" und so weiter.

Und noch ein Punkt: Jede Frage bewertet gleichzeitig eine hinterfragte Situation.
Zum Beispiel: Wenn dich jemand mit geballten Fäusten verletzt, kannst du diese Situation auf unzählige Arten und Weisen hinterfragen. Hier ein paar Beispiele: Warum schlägt er mich? Wie kann ich mich bei ihm rächen? Warum ist er stärker als ich? Warum passiert das immer mir? Wie kann ich das das nächste Mal verhindern?

Schau dir diese Fragen einmal an und werde dir bewusst, welches Gefühl jede Frage auslöst und wie viele unzählige Möglichkeiten durch jede Frage auf jeden Fall ausgeschlossen werden.
Das ist also die Sprache deiner Berta! Nimm dir doch die Zeit und schreib dir ein paar Fragen zusammen, die dir so wirklich Kraft und Spaß geben!
Also z.B.:
"Was ist daran großartig?"
"Was kann ich neues entdecken?"
"Wer liebt mich - wen liebe ich?"
"Was ist daran lustig?"
"Woran werden die anderen meine Kompetenz bemerken?"

Bitte mache diese Übung jetzt und gewissenhaft. Du wirst dadurch die Sprache deiner Berta verstehen. Und jetzt bringen wir ein paar der Schritte zusammen! Betrachten wir die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit im Umsetzen, indem wir ein bissl emotionales Aerobik veranstalten: